Prozessoptimierung braucht hohe Sicherheitsstandards

Die EuroCIS, führende europäischen Fachmesse für Retail Technology, konnte an den drei Messetagen vom 28. Februar bis 1. März auf dem Messegelände in Düsseldorf rund 12.000 Besuchern aus dem In- und Ausland begrüßen und auch damit eine neue Bestmarke setzen.

Damit weist die Messe in allen Bereichen Zuwächse auf, denn bereits die Ausstellerzahl von 470 Unternehmen aus 29 Ländern und die belegte Fläche von 13.400 Quadratmetern konnten die Werte der Vorveranstaltung deutlich toppen, waren es 2016 noch 411 Aussteller bei 10.767 Quadratmetern belegter Fläche. "Die EuroCIS 2018 hat deutlich gezeigt, dass Informationstechnik eindeutig zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor im Handel geworden ist. Sie ermöglicht innovative Geschäftsmodelle und eröffnet neue Möglichkeiten der Kundenansprache", so Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute. Dabei betont Gerling, dass im Handel alle Unternehmensbereiche von dramatischen Veränderungen der Strukturen und Prozesse betroffen sind, was sich an der Besucherstruktur der Fachmesse ablesen lässt: "Mehr und mehr wird die EuroCIS zu einer Messe, die nicht nur von den Entscheidungsträgern für IT und Sicherheitstechnik besucht wird. Auch Verantwortliche für Marketing und Vertrieb, für Expansion und Ladenbau oder für Einkauf und Logistik nutzen die EuroCIS zunehmend zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen." Omnichannel, Mobile und digitale Instore-Kommunikation waren als Trendthemen auf der diesjährigen EuroCIS allgegenwärtig. Fazit nach drei Messetagen: Informationstechnik ist für den Handel zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor geworden, sowohl für die Prozess-Optimierung am POS und in der Supply Chain als auch für die Kundenansprache.

Die Vernetzung erobert alle Unternehmensbereiche

Das große Interesse des Handels an den Produkt- und Dienstleistungsangeboten ist zu einem großen Teil auf die dynamische technologische Entwicklung sowohl im stationären als auch im Online-Handel zurückzuführen. Neue Themen und Angebote in den Bereichen Internet of Things, Augmented Reality und Virtual Reality, Robotik und künstliche Intelligenz lockten nicht nur die Entscheidungsträger für IT und Sicherheitstechnik auf die Messe, sondern auch die Verantwortlichen für Marketing und Vertrieb, für Expansion und Ladenbau und für Einkauf und Logistik. Aber auch bei den Klassikern der Filial-IT, den Kassensystemen inklusive der Peripheriegeräte wie Bildschirme, Bondrucker, Scanner und Zahlungsterminals gab es viel Neues zu sehen.

Mehr aus seinen Möglichkeiten machen - Datenanalyse vorantreiben

Nachdem die Störerhaftung für die Anbieter von WLAN-Hotspots glücklicherweise Geschichte ist, nutzen mittlerweile viele Händler die Möglichkeit, ihren Kunden in den Filialen freies WLAN zur Verfügung stellen. Aber: Service ist das Eine, begleitendes Datenmanagement und Datenanalyse das unverzichtbare Andere. "Viele Händler", so heißt es bei T-Systems, "machen noch viel zu wenig aus den Möglichkeiten, die ihnen ihre Netzwerke bieten." Das Unternehmen hat deshalb ein Dashboard entwickelt, das das Verhalten der Kunden anhand deren Handynutzung im WLAN des Stores analysiert. Die neue Telekom "HotSpot Suite" ist ein webbasiertes Tool für individuelles Content Management, Monitoring und Nutzerverwaltung. Damit lässt sich beispielsweise auch ermitteln, wie die händlereigene App vom Kunden genutzt wird, und wo Optimierungsbedarf besteht.

Große Filialnetze sicher managen

Nicht nur die Hard- und Softwaresysteme werden immer leistungsfähiger und passgenauer für Retail-Anwendungen, auch die Verwaltung oder das Inventarisieren komplexer unternehmensweiter Netzwerklösungen wird immer komfortabler, bis hin zur Inventarisierung jeder einzelnen Komponente in den Filialen - auch mit Hilfe cloudbasierter Lösungen. Solche komplexen Anwendungen stellte Lancom auf der EuroCIS mit seiner Management Cloud vor, dem laut Unternehmen weltweit ersten hyper-integrierten Managementsystem für die Einrichtung und Verwaltung des gesamten Filialnetzwerks. Plakate, Bildschirme und andere Digital-Signage-Medien mobil per MDE, Handy oder Tablet steuern und verwalten: Das ermöglicht die Online Software AG jetzt mit ihrem "MobileBrowser". Damit kann bei Bedarf, etwa bei unvorhergesehenen Ereignissen auf der Fläche, schnell und flexibel per Zugriff auf das Programm "PRESTIGEenterprise" reagiert werden. Die Daten können entweder im Gerät gespeichert oder online per WLAN/UMTS an den Webserver übertragen werden.

Der Einkaufswagen als Teil eines smarten POS-Systems

Die Firma Wanzl aus Leipheim stellte eine Erweiterung ihres Softwaresystems "Wanzl Connect" vor, mit dem Lebensmittelhändler Kunden-, Abverkaufs- und Bestandsdaten an einem Ort zusammenführen können. Ein Dashboard zeigt alle im Geschäft gesammelten Informationen an, darunter die zum Bestand der Ware in den Regalen, zum Tagesumsatz und den Wartezeiten an der Kasse. Die Informationen sammelt das System über smarte POS-Ausstattung, die mit dem System verbunden werden, so zum Beispiel ein Regal mit automatischer Füllstanderkennung. Eine weitere Möglichkeit, um mehr über die Verweildauer des Kunden oder seine Position im Markt herauszufinden: Wanzl versieht Einkaufswagen, bzw. den Einkaufskorb mit RFID-Tags. Der Einkaufswagen als Begleiter des Kunden im Geschäft spielt auch bei dem Messeauftritt von T-Systems eine Rolle.

Der erste Prototyp "smarter Trolleys" von T-Systems feierte auf der Messe seine Premiere. Kunden können ihre Einkaufsliste am Griff des Wagens auf einem integrierten Bildschirm anzeigen und sich durch den Store navigieren lassen. Im Markt wird der Wagen getrackt, damit jederzeit eine zur Abteilung passende Werbebotschaft übermittelt werden kann. Der Technologieanbieter hat gemeinsam mit seinen Partnern Wirecard und Realcore Lösungen entwickelt, die Händlern den Weg zum smarten Store vereinfachen sollen. Auch bei T-Systems kommen als einen Teil des vernetzten Stores elektronische Etiketten zum Einsatz, die direkt mit Informationen aus dem Warenwirtschaftssystem versorgt werden und eine dynamische Preisanpassung ermöglichen. Zudem stellte das Unternehmen smarte Regale vor, die über Produkte und Aktionen informieren und eine Bezahlung direkt am Regal zulassen. Das mobile Kassenterminal "Smart POS" von Wirecard ermöglicht auf der Fläche den Zugriff auf den gesamten (Online-) Produktkatalog und unterstützt so die Verzahnung aller Kanäle.

Wie Händlern aus den Daten wertvolle Erkenntnisse über das Kundenverhalten gewinnen, zeigten auf der EuroCIS beispielsweise die Unternehmen Tyco, Extreme Locations und Axis Communications. Das schwedische Unternehmen präsentierte seine aus Netzwerk-Kameras, Audioprodukten sowie Business-Intelligence- und Analyse-Software bestehende "Axis Store Optimization Suite". Diese ermöglicht Videoanalysen, die u. a. Aufschluss über Kundenfrequenzen und Besucherzahlen eines Stores geben. Das System misst und überwacht die Längen von Warteschlangen, bewertet die Auslastung eines Geschäftes und kann via Digital Screen demographische Daten (Alter und Geschlecht) der Kunden ermitteln. In einem Dashboard werden die Daten, Berichte und Statistiken in Echtzeit zusammengeführt. Das Tool dient Händlern zur Optimierung seiner Ladenflächen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wieviel Wachstumspotenzial noch in der EuroCIS steckt, der Themen-Produkt- und Lösungstisch jedenfalls ist schon jetzt reichlich gedeckt und die Digitalisierung des Handels verspricht auch für die kommenden Jahre noch jede Menge Dynamik.

Die nächste EuroCIS findet vom 19. bis 21. Februar 2019 in Düsseldorf statt.

POS kompakt hat im Nachgang der EuroCIS ausgewählte Aussteller dazu befragt, wie sie die Resonanz auf ihre gezeigten Produkte und Services sowie das auf der EuroCIS präsentierte Themenumfeld beurteilen. Der ganze Artikel mit den Ausstellerstatements als PDF...